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Chaga

Inonotus obliquus – Schiefer Schillerporling – Chaga

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Chaga

Auszug aus dem Buch „Heilpilze“ (Quelle & Meyer Verlag) von Jürgen Guthmann Erscheinungstermin Herbst 2015

Kurzbeschreibung der medizinischen Wirkung:

–       Entzündliche Erkrankungen des Magen-Darmtraktes

–       Krebserkrankungen allgemein, mit einem besonderen Schwerpunkt auf

solche des Magen-Darmtraktes

–       Hungerstillung

–       Entzündungshemmung

–       Allgemein kräftigend

–       Antioxidativ

–       Antiviral

–       Abwehrstärkend

–       Stoffwechselanregend

–       Zur Unterstützung bei allergischen Hauterkrankungen (Darmsanierung)

–       Äußerlich reinigend und desinfizierend

Allgemeines:

Der Schiefe Schillerporling oder Chaga (Tschaga) wurde außerhalb Osteuropas lange Zeit nicht beachtet. Erst seit einigen Jahren drängt dieser durchaus auch bei uns heimische, heilkräftige Pilz mehr und mehr ins Bewusstsein der Menschen. Vermutlich sind nicht wenige bereits achtlos an dem vorzugsweise auf Birken wachsenden Pilz vorübergegangen, ohne ihn zu bemerken. Er erscheint in Form unscheinbar schwarzer, knolliger, bröckeliger Auswüchse, die sich mehr oder weniger deutlich von der Schwarz-Weiß-Zeichnung seines Wirtsbaumes abheben. Er gehört zu den Pilzen, von denen zwei Fruchtformen existieren. Die sterile Nebenfruchtform ist das, was gemeinhin als Chaga bezeichnet wird. Die Hauptfruchtform bildet die schräg stehende Porenschicht von der der „Schiefe Schillerporling“ seinen Namen hat. Rein wissenschaftlich betrachtet, handelt es sich in beiden Fällen um den Schiefen Schillerporling (Inonotus obliquus).

Medizinische Verwendung

Der legendäre Chaga-Pilz wird in Sibirien seit Jahrhunderten zur Behandlung auch schwerer Erkrankungen des Magen-Darmtraktes verwendet. Desweiteren ist er als Stärkungsmittel bekannt, dient der Blutreinigung und wurde auch bei Tuberkulose und Herzleiden eingesetzt. In Russland wird er seit den 1930er wissenschaftlich untersucht und ist seit Jahrhunderten selbstverständlicher Bestandteil der russischen Heilkunde. Auch die norwegische Bezeichnung „kreftkjuke – Krebsporling“ nimmt Bezug auf seine Verwendung. Chaga ist ein exzellentes Mittel zur Behandlung aller Erkrankungen des Verdauungssystems. Hierzu zählen Geschwüre und Entzündungen des Magens (Gastritis) und Zwölffingerdarms. Er eignet sich ferner zur Behandlung von Polypen im Magen und Darm. Die sanierende Wirkung auf das Verdauungssystem macht man sich bei der Behandlung von allergischen Hauterkrankungen (Ekzeme, Schuppenflechte usw.) zunutze. Ein gesunder Darm mit einer stabilen Darmflora spielt eine maßgebliche Rolle für unsere Immunregulation. Der Darm ist die größte Austauschfläche des Menschen mit seiner Umwelt. Mittlerweile erhärten sich die Hinweise, dass Störungen im Verdauungssystem vielfach ursächlich für Hauterkrankungen sind. Eine gestörte Darmflora kann zur gestörten Aufnahme von Nährstoffen und zur vermehrten Bildung von giftigen Fäulnisprodukten führen. Die immunologische Barrierefunktion des Darms gegenüber der Außenwelt ist geschwächt und es kommt vermehrt zu fehlerhaften Abwehrreaktionen auf Nahrungsmittel.

Chaga Fruchtkörper

Chaga Fruchtkörper

Die Verwendung des Pilzes stärkt außerdem die allgemeine Infektionsabwehr und wirkt stoffwechselanregend. Er stillt den Hunger, vertreibt Müdigkeit und erhöht die Leistungsfähigkeit. Da er außerdem immunstimulierend wirkt, wird er auch zur Behandlung des chronischen Müdigkeitsyndroms (CFS) eingesetzt. Die Ursache dieser Erkrankung liegt immer noch im Dunkeln, allerdings erhärten sich die Hinweise einer Mitverantwortung von chronischen viralen Infektionen. Erste wissenschaftliche Hinweise zur antiviralen Wirkung des Pilzes lieferte Kahlos et al. 1996. Er verwendete Extrakte aus der schwarzen äußeren Schicht des Pilzes und konnte eine fast hundertprozentige Hemmwirkung des Grippevirus (Influenza Typ A und B) nachweisen. Shibnev V. A. et al. 2011 konnte an Zellkulturen eine deutliche Hemmwirkung des wässrigen Pilzextraktes gegenüber Hepatitis C Viren zeigen.

Bei entzündlichen Erkrankungen im Hals- und Rachenraum kann mit dem Chaga gegurgelt oder der Dampf inhaliert werden. Gute Ergebnisse erzielt man auch bei der Behandlung von Parodontose (Zahnfleischentzündungen). Innerlich hilft er bei entzündlichen Erkrankungen von Leber und Milz, desweiteren bei Erkrankungen des lymphatischen Systems. Die entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften konnte Park Y. M. et al. 2005 zeigen.

Der Pilz stärkt das Zentralnervensystem und wirkt entspannend und schlaffördernd. Die Einnahme des Pilzextraktes soll Bluthochdruck senken.

Das wichtigste Einsatzgebiet des Pilzes ist aber sein Einsatz bei Krebserkrankungen (Lungenkrebs, Hautkrebs) mit einem besonderen Augenmerk auf solche des Magen- und Darmtraktes und der weißen Blutkörperchen (Hodgkin Lymphom). Erwartungsgemäß werden die besten Ergebnisse im Frühstadium der Erkrankung erzielt. Bei weiter fortgeschrittenen Erkrankungen kann die Einnahme des Pilzes das Krebswachstum verlangsamen und zu einer Schmerzlinderung führen. Außerdem verbessert er die Allgemeinverfassung des Patienten, beispielsweise nach der chirurgischen Tumorentfernung und lindert die Nebenwirkungen einer konventionellen Chemotherapie. Mit Billigung des Arztes kann und sollte die Einnahme des Pilzes auch in Kombination mit einer herkömmlichen Chemotherapie erfolgen.

Während der Behandlung mit dem Pilz sollte auf den Verzehr von Fleischerzeugnissen, fette Speisen, Konserven und geräucherten Produkten verzichtet werden.

Natürlich ist auch der Chaga kein Wundermittel gegen Krebserkrankungen!

Allerdings sind die Erfahrungen damit durchaus positiv und es verwundert nicht, dass die Moskauer Akademie der Medizinwissenschaften den Pilz zur Behandlung verschiedener Krebserkrankungen empfiehlt. In Gebieten, in denen der Konsum des Pilzes auch zur Vorbeugung gebräuchlich ist, zeigen die verfügbaren Statistiken erniedrigte Krebserkrankungsraten. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen an Krebszellen, die die krebshemmende Wirkung des Pilzes und daraus hergestellter Extrakte zeigen.

Eine Vielzahl von Untersuchungen zeigt die außerordentlich starken antioxidativen Eigenschaften des Chaga. Diese sind noch um ein vielfaches größer als beim Glänzenden Lackporling (Ganoderma lucidum) und Raupenpilz (Cordyceps sinensis) oder bei bekanntermaßen stark antioxidativen Nahrungsmitteln wie Goji- oder Heidelbeeren (Lycium barbarum, Vaccinium myrtillus).

Aus der in Wasser eingeweichten Asche verbrannter Fruchtkörper kann eine reinigende und desinfizierende Waschlösung hergestellt werden. Sie wurde insbesondere für Waschungen des Genitalbereiches im Verlauf der Monatsblutung oder nach der Geburt und zur Reinigung des Neugeborenen verwendet.

Das getrocknete Pilzpulver wurde früher auf Schürwunden und Schnitte gegeben um eitrige Entzündungen zu verhindern. 1989 publizierte Maret Saar einen Bericht über die medizinische Nutzung des Chaga bei den Ostyaken (Khanty) einer indigenen Volksgruppe Westsibiriens. Sie nutzen den Pilz als Tee (3 TL des Pilzes auf 2,5 Liter Wasser einige Minuten kochen lassen) zur Behandlung von Eingeweidewürmern, zur Ausscheidung von Giftstoffen, bei Herz- und Lebererkrankungen und Erkrankungen des Magen-Darmtraktes. Die Verwendung des Pilzaufgusses als Wachlösung erfolgt wie oben beschrieben. Auf Grundlage der animistischen Weltanschauung der Ureinwohner vertreibt der Rauch des Pilzes Krankheiten und Tod.

Der Chagapilz ist über einen weiten Dosisbereich ungiftig und wird gut vertragen. Trotz seiner jahrhundertelangen Verwendung gibt es bisher keine Gegenanzeigen für seine medizinische Verwendung. Die russische Wissenschaftlerin Lazovskaya konnte bei Tierversuchen mit verschiedenen Tierarten, denen hohe Dosen des Pilzextraktes über die Nahrung verabreicht wurden, seine gute Verträglichkeit selbst bei mehrmonatiger (5 – 6 Monate) Anwendung zeigen. Dabei wurden Mengen von bis zu 1g/kg Körpergewicht eingesetzt. Aufgereinigter Pilzextrakt wurde sogar bis zum fünffachen der für den Menschen empfohlenen Menge Kaninchen in die Blutbahn injiziert, ohne dass Vergiftungserscheinungen auftraten. Die sichere Anwendung von Chagapräparaten im therapeutischen Dosen zeigen mehrjährige Studien in russischen Kliniken bei Patienten mit Magengeschwüren und schweren Krebserkrankungen. Die Mehrzahl der wissenschaftlichen Wirkstudien mit dem Chaga entstanden in den letzten 50 Jahren in der Sowjetunion und wurde in russischer Sprache publiziert. Im Jahre 2002 wurde in Russland in Tierversuchen der Einfluss des Pilzextraktes auf Schäden durch radioaktive Strahlung untersucht. Dabei konnte gezeigt werden, dass der Pilz auf Grund seiner adaptogenen Wirkung eine deutliche Schutzwirkung ausübt und strahleninduzierte Schäden reduziert. Erstaunlicherweise gibt es etliche Befunde nach denen eine Wirkungssteigerung bis zu einem Optimum, nur in einem eher niedrigen Dosisbereich zu verzeichnen ist. Eine weitere Dosissteigerung führt schließlich zu einer Wirkungsabnahme.

Obwohl der Pilz auf etlichen Baumarten vorkommt, gibt es Hinweise darauf, dass Exemplare die auf der Birke wachsen und im Herbst oder im Frühjahr geerntet wurden am heilkräftigsten sin

 

Zubereitung/Verwendung

Mittlerweile kann man den Chaga im Fachhandel als Pilzpulver oder Extrakt in Kapselform kaufen. Die Kapseln enthalten 250 oder 500 mg.

Unbedingt versuchen sollte man auch einmal seine Zubereitung als Tee. Einfach eine Kapsel öffnen, Inhalt in eine Tasse geben und mit kochendem Wasser aufgießen.

Natürlich kann man auch aus dem frischen oder getrockneten Pilz einen Tee oder eine Tinktur herstellen und zu sich nehmen.

Bei der ersten Verwendung neuer Kräuter, Pilze oder anderer Nahrungsmittel sollte man es sich stets zur Gewohnheit machen, zunächst mit einer kleinen Menge die Verträglichkeit zu testen. Bei der Wildsammlung sollte man folgendes beachten: Exemplare von am Boden liegenden oder bereits vermoderten Stämmen sollte man nicht verwenden, da der Wirkstoffgehalt dann vermutlich schon stark abgenommen hat. Außerdem sollte man möglichst keine Pilze aus bekanntermaßen schwermetallbelasteten Gebieten sammeln. Hat man das Glück einen Chaga am noch stehenden, einigermaßen vitalen Baum zu finden, muss er zunächst abgeschnitten werden. Dies ist angesichts seiner harten Konsistenz und seines Wuchsortes bisweilen einige Meter über dem Boden an einem Baumstamm, nicht gerade einfach. Am besten eignet sich dazu eine Axt oder Säge. Anschließend wird das Material in kleinere Stückchen gehackt oder gebrochen, wobei ein Schraubstock gute Dienste leistet. Manche Autoren empfehlen die äußere schwarze Schicht zu entfernen und nur das gelbliche Innere zu verwenden. Wir schließen uns dieser Empfehlung nicht an. Die kleinen Stückchen können auf einem Dörrapparat oder im Backofen bei 40 – 50 °C gründlich getrocknet werden, was durchaus 24 Stunden dauern kann. Vorteilhaft ist auch zweimaliges Trocknen, da insbesondere bei größeren Stücken die Entfernung der enthaltenen Feuchtigkeit lange dauert. Die Pilzstücke müssen knochentrocken sein, ansonsten können sie leicht schimmeln, oder potentielle Untermieter erwachen zu neuem Leben. Die weitere Zerkleinerung des getrockneten Pilzes kann in einer Kaffee- oder Getreidemühle erfolgen. Je feiner der Zermahlungsgrad umso besser werden die Wirkstoffe bei der Teebereitung extrahiert. Ein aus dem Pilzpulver hergestellter Tee ist kaffeebraun und besitzt einen angenehmen, schwer zu beschreibenden leicht aromatischen Geschmack. Im Vergleich mit anderen Pilztees ist er lecker und dabei keineswegs bitter. Bezüglich der Zubereitung gibt es zahlreiche, teilweise auch relativ aufwendige Rezepte. Am einfachsten ist es einen Teelöffel Pilz pro Tasse über Nacht in kaltem Wasser ziehen lassen und am nächsten Morgen etwa 15 – 20 min leicht vor sich hin köcheln zu lassen. Anschließend durch ein Teesieb gießen, bzw. Absetzen lassen und über den Tag verteilt trinken. Je nach Beschwerdebild kann mit einem Abstand von 30 min zu allen 3 Mahlzeiten eine Tasse getrunken werden. Anderen Anweisungen zufolge, sollte man den Pilz nicht kochen, da dabei wichtige Inhaltsstoffe zerstört werden, sondern allenfalls Wasser mit einer Temperatur von 50 °C verwenden. Wir bevorzugen Vorgehensweise Nummer eins. Offenbar ist eine längere Extraktionszeit umso wichtiger je geringer die Wassertemperatur ist, damit es zur Freisetzung der Wirkkomponenten kommt. Sie kann durchaus 2 Tage oder mehr betragen. Natürlich kann man den Chaga anschließend auch gut mit anderen Teesorten mischen um den Geschmack zu verfeinern. Zur Herstellung einer Tinktur verwendet man hochprozentigen klaren Korn oder Wodka. Man gibt in eine weithalsige Flasche etwa bis zur Hälfte getrocknetes Pilzmaterial und füllt anschließend auf. Diese Mixtur lässt man etwa 2 Wochen stehen und schüttelt die Flasche öfter mal. Schließlich dekantiert man zunächst die überstehende Flüssigkeit in eine frische Flasche und filtert den restlichen Ansatz durch einen ungebleichten Kaffeefilter. Den Filter kann man am Schluss noch vorsichtig ausdrücken. Den Filterrückstand gibt man in einen Topf und kocht ihn mit Wasser etwa 30 min lang und reduziert dabei die Flüssigkeit etwa auf die Hälfte des alkoholischen Extraktes. Nach erneuter Filtration vereinigt man die beiden Extrakte. Die Mischung sollte aus Haltbarkeitsgründen etwa einen Alkoholgehalt von 20 % oder mehr haben. Durch die beschriebene Prozedur erhält man eine Tinktur, die sowohl die wasser- als auch die alkohollöslichen (fettlöslichen) Inhaltsstoffe enthält.

Bei schweren Erkrankungen wird die täglich dreimalige Einnahme des Pilzes etwa 20 min vor den Mahlzeiten empfohlen. Die kurmäßige Anwendung erfolgt über einen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten oder auch darüber hinaus. Alle 3 Monate sollte man für etwa 2 Wochen pausieren. Bei leichteren Beschwerden kann der Pilz auch einige Tage angewendet werden. Auch eine Anwendung in Form eines Einlaufes ist möglich. Alle innerlichen Anwendungen sollten vorzugsweise zusammen mit einem Heilkundigen geplant und besprochen werden. Manchmal wird geraten zusätzlich tgl. etwa einen Liter Karottensaft zu trinken, weil der Aufguss zu leichter Verstopfung führen soll.

Ein dünner Teeauszug oder die in Wasser eingeweichte Asche des Pilzes eignet sich gut für äußerliche Waschungen. Für den Ascheauszug werden getrocknete Pilzstückchen angezündet und so lange gewartet bis sie vollständig durchgeglüht sind. Dann gibt man sie in Wasser und rührt so lange bis sich die Asche vollständig aufgelöst hat. Nach der Filtration durch ein weitmaschiges Tuch, ist die Lösung gebrauchsfertig und sollte innerhalb einiger Tage aufgebraucht werden.

Inhaltsstoffe

Bei der vergleichenden Analyse des Chagas entdeckte man, dass die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe des Pilzes deutlich von der anderer Porlinge abweicht. So enthält er etwa 2- bis 3-mal mehr Mineralstoffe und nur 1/5 bis 1/10 des Eiweiß- und Cellulosegehaltes anderer Porlinge. Der Aschegehalt (mineralische Bestandteile) liegt bei etwa 15 %, hauptsächlich Kalium, Natrium und Mangan, außerdem geringe Mengen von Calcium, Silizium, Eisen, Magnesium, Zink und Kupfer. Giftige Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen konnten dagegen nicht nachgewiesen werden.

Weitere Inhaltsstoffe sind Flavonoide (Apigenin, Naringenin und Quercetin), Gerbstoffe (Tannine) und Lectine, außerdem geringe Mengen organischer Säuren, wie Essig-, Butter- und Oxalsäure. Ein großer Teil der Pilzinhaltsstoffe ist wasserlöslich und zeigt eine intensiv bräunlich-schwarze Färbung. Diese dunkelfarbigen Verbindungen (Pigmente) sind auch ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Porlingen, deren diesbezüglicher Gehalt um ein Vielfaches geringer ist. Hervorgerufen wird diese Färbung offensichtlich durch Melanine bzw. Polyphenole. Oft wird in diesem Zusammenhang auch von einem „Melanin-Komplex“ gesprochen. Besonders hohe Konzentrationen dieser Verbindungen finden sich in der schwarzen äußeren Schicht des Pilzes.

Melanine bewirken eine Schutzfunktion gegenüber UV-Strahlung und anderen schädigenden Einflüssen, z. B. hohen Temperaturen. In Großpilzen kommen Melanine eher selten vor. Neben langkettigen Polyphenolen fanden sich bei Analysen außerdem Phenolderivate wie, Vanillinsäure, Pyrogallol, Brenzcatechin, para- Benzoesäure und Syringasäure. Eine hervorstechende Eigenschaft dieser Verbindungen ist ihre Empfindlichkeit gegenüber Sauerstoff und ihre Fähigkeit miteinander zu reagieren. Dabei kommt es zur Bildung einer Vielzahl von dunkelfarbigen Zwischen- und Endprodukten (Polyphenole). Auf Grund ihrer besonderen chemischen Struktur spielen die Pilzmelanine auch eine wichtige Rolle für die stark anitoxidative Wirkung des Pilzes und sind in der Lage großen Mengen strahleninduzierter freier Radikale unschädlich zu machen (Babitskaya V. G. et al. 2000). Darüber hinaus vermindern sie die krebserregende Wirkung von Chemikalien durch ihre erbgutschützende Wirkung und sind gleichzeitig an den Reparaturmechanismen der Erbinformation (DNS) beteiligt.

Melanine unterdrücken die Peroxidation von mehrfach ungesättigten Fettsäuren und Lipiden, die Bestandteile der Zellmembranen sind und verhindern Einzelstrangbrüche des Erbmoleküls. Sie vermindern Schäden an den Zellmembranen und schützen Proteine vor oxidativen Prozessen. Letztendlich zeigen sie immunmodulierende, entzündungshemmende und krebswachstums-hemmende Eigenschaften und weisen nur ein geringes toxisches Potential auf.

Eine weitere wichtige Inhaltsstoffgruppe des Chaga sind Sterole und tetracyclische Triterpenderivate, wie Lanosterol, Inotodiol, Trametenolsäure, Ergosterol und Ergosterolperoxid. Sie sind in kaltem Wasser unlöslich, bei Verwendung von heißem Wasser aber in geringem Umfang löslich. Besser ist die Löslichkeit in Alkohol. Einige Sterole und insbesondere die Hauptkomponente Inotodiol gelten als stark krebswachstumshemmend und wurde bisher nur im Chaga nachgewiesen (Nomura et al. 2008, Chung et al. 2010).

Außerdem enthält der Pilz pentacyclische Triterpenderivate, wie Betulin, Lupeol, Lupenon und β-Sitosterol, die normalerweise typisch für Pflanzen sind. Der Inhaltsstoff Betulin stammt wahrscheinlich aus der Birke und sammelt sich im Pilz lediglich an. Aus Betulin kann chemisch leicht die medizinisch außerordentlich interessante Betulinsäure hergestellt werden. Die Verbindung gilt als vielversprechendes Therapeutikum zur Behandlung von Krebserkrankungen (Hautkrebs!) und HIV. Neuere Untersuchungen legen nahe, dass Betulin, insbesondere in Kombination mit Cholesterol ebenfalls krebshemmende Wirkung besitzt (Müllauer F. B. 2011). Die Beschreibungen ob die Betulinsäure auch direkt im Chaga vorkommt, sind widersprüchlich. Es gibt Hinweise darauf, dass sie sich vor allem in der schwarzen Randschicht des Chaga konzentriert.

Im Mycel wurden kleine Eiweißverbindungen (Tripeptide) mit einer antithrombotischer Wirkung nachgewiesen (Hyun K. W. et al. 2006).

Lee et al. 2007u. 2011 identifizierte die Styrolpyrone Inonoblin A – C und verschiedene Phelligridine, die sich vom Hispidin ableiten. Weitere Styrolpyrone sind Inoscavine und Davallialactone. Sie besitzen unter anderem antioxidative Eigenschaften. Die antivirale Wirkung steht vermutlich im Zusammenhang mit Betulin, Hispolon, Hispidin und weiteren speziellen Sterolen.

Der Chaga enthält eine ganze Reihe immunstimulierender und krebswachstumshemmender Polysaccharide (β-Glykane und Heteroglykane) und proteingebundene Polysaccharide, die den Blutzuckerspiegel senken (Mizuno T. 1999, Kim Y. O. et al. 2006). Bezüglich der blutzuckersenkenden Wirkung unternahmen Zhang et al. 2011 Versuche mit Pilzmycel in dem das Metall Vanadium angereichert wurde. Vanadium selbst führt zu einer Blutzuckersenkung ist aber in seiner anorganischen Form giftig und krebserregend. Durch die Bindung im Pilz wird das Metall leichter verfügbar, die Giftwirkung reduziert und die blutzuckersenkenden Effekte verstärken sich.

Einen ausführlichen Überblick über die bisher bekannten Inhaltsstoffe und ihre Wirkungen liefert Zheng et al. 2010.

Standort und Beschreibung des Pilzes

Der Chaga, die Nebenfruchtform des Schiefen Schillerporlings an Birke, ist verbreitet aber nicht häufig und bevorzugt vor allem kältere Gegenden. Häufiger kommt er in den großen Wäldern Osteuropas (Russlands, Polens) und des Baltikums aber auch in Finnland vor, also überall dort wo es große Gebiete mit Birkenbestand gibt. Er bevorzugt Bäume an feuchten Wuchsorten wie Sümpfen oder entlang von Wassergräben, Seen oder Bächen. Außerdem tritt er gehäuft an sonnenbeleuchteten Waldrändern und Alleebäumen auf.

Der mehrjährige Pilz befällt vor allem vorgeschädigte und vorwiegend ältere Birken (Betula pendula, B. pubescens, B. papyrifera), kann aber auch Erle, Ahorn, Eberesche und weitere Laubbäume besiedeln. Der Chaga kann das ganze Jahr über angetroffen werden. Er ist ein typischer Primärzersetzer. Sobald der Baum infolge des Pilzbefalls abstirbt und vom Wind umgeworfen wird, stirbt auch der Pilz oder wird von anderen Pilzarten, die an diese Verhältnisse besser angepasst sind, verdrängt.

Da der Schiefe Schillerporling die Festigkeit eines Baumes massiv beeinträchtigen kann, stellt er an viel begangenen Wegen oder Alleen durchaus ein Gefährdungspotential dar. Aus diesem Grund sollte der Pilz als sichtbares Zeichen einer Bruchgefährdung durch den Baum, von derartigen Standorten nicht einfach entfernt werden, ohne entsprechende behördliche Stellen darüber zu informieren.

Sobald die von der Hauptfruchtform freigesetzten Sporen auf Wunden oder Schadstellen eines Wirtsbaumes treffen, beginnen sie dort unter günstigen Bedingungen zu keimen, wachsen in das Holz ein und bilden ein Mycelium. Dieses durchdringt im Verlauf von 10 oder mehr Jahren immer größere Bereiche des Stammes, verursacht eine Stamm-, Wurzel-, und Stockfäule und bringt seinen Wirtsbaum schließlich zum Absterben. Der Chagapilz ist ein Weißfäuleerreger, d.h. er zersetzt neben der Cellulose auch Lignin.

Er zeigt sich als schwarzbraune, knollige, oft bröckelig und wie verbrannt wirkende, zerklüftete Struktur von meist unregelmäßig, kreisförmiger Ausdehnung (siehe Bild). Häufig sieht sie wie eine hervorquellende Geschwulst mit einer Dicke von 15 – 20 cm aus. Sie kann dabei aber auch unregelmäßige kegelartige Formen ausbilden und erreicht etwa die Größe eines Medizinballes. Wenn sie einem länglichen Riss folgt kann sie sich auch über mehrere Meter ausdehnen. Es kommt auch immer wieder vor, dass sich an einem Baum mehrere der imperfekten Fruchtkörper finden.

Einzelne Fruchtkörper erreichen dabei durchaus ein Gewicht von bis zu fünf Kilogramm. Schneidet man in die harte, schwarze, äußere Kruste hinein, zeigt sich das gelb-bräunliche Innere, dass einen intensiven Kontrast zum schwarzen Äußeren bildet. Das Innere verfügt über eine korkartige Konsistenz und erscheint wie marmoriert.

Da der Pilz am Stamm oft einige Meter über dem Boden wächst und im Sommer leicht von umgebenden Blättern verdeckt wird, findet man ihn im Winter leichter.

Geschichte

Die heilkundliche Nutzung des Pilzes ist sicher schon sehr alt. So soll der berühmte mittelalterliche Herrscher und Kiewer Großfürst Wladimir Wsewolodowitsch Monomach (*1053 – †1125) den Chaga zur Behandlung von Lippenkrebs verwendet haben.

Bereits im 15. Jhdt. wurde der Pilz in der russischen Volksmedizin zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt. Wegen seiner Wirksamkeit bei Krebserkrankungen des Magendarmtraktes ist er seit 1858 in der russischen Arzneiliste.

Wissenswertes

Der Literaturnobelpreisträger Alexander Issajewitsch Solschenizyn (Archipel Gulag) ist überzeugt davon, dass er der Behandlung mit dem Pilz seine Genesung von einer Krebserkrankung verdankte, die bei ihm in den 1950er Jahren auftrat. Er beschreibt den Pilz in seiner halbautobiografischen Novelle „Krebsstation“ aus dem Jahre 1967.

Der Chaga kann auch in der Tierzucht verwendet werden. Aus Versuchen mit Ferkeln weiß man, dass diese schneller wachsen und eine höhere Gewichtszunahme zeigen, wenn der Pilz ihrem Futter zugefügt wird.

Auch wenn er dazu eigentlich zu kostbar ist, ergibt der Pilz einen ausgezeichneten Zunder. Kleine Pilzstücke können auch in ähnlicher Weise wie Beifusszigarren (Artemisia vulgaris) zur Moxa-therapie, einer Hitzevariante der Akupunktur, verwendet werden. Dabei werden entweder die Nadeln zusätzlich durch kleine Moxa-Stückchen erhitzt oder die Stimulation der Akupunkturpunkte erfolgt ausschließlich durch den Hitzereiz der in die Nähe der entsprechenden Hautstellen gebrachten glimmenden Moxa-Zigarren.

 

Literatur

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